Einleitung: Was ich meinem Patienten neulich erklärte
In meiner Sprechstunde kam letzte Woche ein 45-jähriger Patient mit brennenden Schmerzen beim Wasserlassen und trübem Urin. Die mikroskopische Untersuchung zeigte vermehrt Plattenepithelien. „Herr Doktor, was heißt das? Ist das gefährlich?“ – eine typische Frage, die ich fast täglich höre. Lassen Sie mich Ihnen erklären, was Plattenepithelien im Urin bedeuten, wann sie normal sind und wann sie einen Handlungsbedarf anzeigen.
Die Untersuchung auf Plattenepithelien (Squamousepithelien) ist ein Routinebestandteil des Urinsediments. Medizinisch exakt heißen sie nach LOINC „Squamous epithelial cells [#/area] in Urine“ (LOINC 5822-5). Im Deutschen sprechen wir von verhornten oder unverhornten Plattenepithelien, die vor allem aus den unteren Harnwegen oder äußeren Genitalien stammen.
Was sind Plattenepithelien im Urin?
Plattenepithelien sind flache, schuppenartige Zellen, die die Schleimhäute von Harnröhre, Vagina und äußerer Genitalregion auskleiden. Sie gelangen meist durch Kontamination während der Urinabgabe in die Probe – besonders bei Frauen häufiger als bei Männern. Einzelne Plattenepithelien im Gesichtsfeld sind völlig normal und kein Grund zur Sorge.
Erst wenn die Anzahl deutlich erhöht ist, kann dies auf eine verstärkte Zellabschilferung hinweisen – beispielsweise bei Entzündungen, Infektionen oder mechanischer Reizung.
Normwerte für Plattenepithelien im Urin (Tabelle)
Die Referenzbereiche werden in Zellen pro Gesichtsfeld (HPF = High Power Field) bei 400-facher Vergrößerung angegeben. Bitte beachten Sie: Die genauen Werte können je nach Labor leicht variieren.
| Gruppe | Normalbereich / HPF | Erhöht / HPF |
|---|---|---|
| Männer (Erwachsene) | 0–5 | >5 |
| Frauen (Erwachsene) | 0–10 | >10 |
| Kinder (beide Geschlechter) | 0–5 | >5 |
| Patienten mit Blasenkatheter | 0–5 | >5 |
*HPF = High Power Field (400× Vergrößerung). Bei Mittelstrahlurin gelten höhere Grenzen für Frauen aufgrund vaginaler Kontamination.
Ursachen für erhöhte Plattenepithelien
1. Kontamination bei der Probenentnahme
Die häufigste Ursache in meiner Praxis: Die Urinprobe wurde nicht korrekt als Mittelstrahlurin gewonnen. Besonders bei Frauen gelangen leicht Vaginalzellen in den Becher. Tipp: Vor der Probenahme die äußere Genitalregion mit einem feuchten Tuch reinigen, dann den ersten Strahl verwerfen und erst den mittleren Teil auffangen.
2. Harnwegsinfektionen (HWI)
Bei einer Zystitis (Blasenentzündung) oder Urethritis (Harnröhrenentzündung) wird die Schleimhaut gereizt und stößt vermehrt Plattenepithelien ab. Begleitende Symptome: Brennen beim Wasserlassen, häufiger Harndrang, trüber oder übelriechender Urin.
3. Vaginale Entzündungen (Kolpitis, Vulvitis)
Bei Frauen kann eine Scheidenentzündung (z. B. durch Pilze oder Bakterien) zu massenhaftem Auftreten von Plattenepithelien im Urin führen – selbst wenn die Probe gut gewonnen wurde. Oft zeigen sich dann auch Leukozyten und Bakterien im Sediment.
4. Seltenere Ursachen
- Mechanische Reizung (z. B. durch Katheter, Fremdkörper)
- Harnröhrenverengung oder Steinabgang
- Entzündliche Hauterkrankungen im Genitalbereich (z. B. Lichen sclerosus)
- Sehr selten: Tumoren der Harnblase oder Harnröhre – dann aber meist mit atypischen Zellen im Befund
Plattenepithelien in der Schwangerschaft
In der Schwangerschaft sind die Vaginalschleimhäute hormonell bedingt stärker durchblutet und anfälliger für Infektionen. Daher finden sich bei Schwangeren häufiger vermehrt Plattenepithelien im Urin. Dies ist meist harmlos, solange keine weiteren Auffälligkeiten wie Leukozyten oder Nitrit hinzukommen. Dennoch: Jede Abweichung im Urinstatus sollte mit dem Frauenarzt besprochen werden.
Behandlungsmöglichkeiten
Die Therapie richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache:
- Bei Kontamination: Wiederholung der Urinprobe mit korrekter Technik.
- Bei Harnwegsinfekt: Antibiotika nach Antibiogramm (z. B. Fosfomycin, Nitrofurantoin oder Trimethoprim).
- Bei Vaginalinfektion: Antimykotika oder Antibiotika lokal (Creme, Zäpfchen) oder systemisch.
- Bei mechanischer Reizung: Katheter entfernen oder wechseln.
In meiner Klinik rate ich Patienten, viel zu trinken (mindestens 1,5 – 2 Liter Wasser am Tag) und auf reizende Substanzen wie scharfe Gewürze oder Alkohol zu verzichten, bis die Beschwerden abgeklungen sind.
Wann sollten Sie zum Arzt gehen?
Ein einmaliger, leicht erhöhter Wert ohne Symptome ist meist ein Zufallsbefund und harmlos. Sie sollten jedoch einen Arzt aufsuchen, wenn:
- Sie Schmerzen oder Brennen beim Wasserlassen haben
- Der Urin ungewöhnlich riecht, trüb ist oder Blut enthält
- Sie Fieber, Rückenschmerzen oder Unterbauchschmerzen haben
- Die Plattenepithelien in wiederholten Proben weiterhin stark erhöht sind
Zögern Sie nicht – eine einfache Urinuntersuchung gibt oft schon Klarheit.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was bedeuten Plattenepithelien im Urin?
Plattenepithelien sind abgeschilferte Zellen der Schleimhäute. Im Urin sind sie meist ein Zeichen für eine unreine Probenentnahme (Kontamination). Bei gleichzeitigen Symptomen wie Brennen können sie auf eine Harnwegsinfektion oder Scheidenentzündung hinweisen.
Sind Plattenepithelien im Urin gefährlich?
In der Regel nicht. Leicht erhöhte Werte sind meist harmlos. Nur wenn sehr viele Zellen auftreten oder weitere Auffälligkeiten (Leukozyten, Bakterien, Blut) vorhanden sind, sollte eine Behandlung der Grunderkrankung erfolgen.
Wie wird die Anzahl der Plattenepithelien gemessen?
Die Messung erfolgt im Urinsediment unter dem Mikroskop. Der Urin wird zentrifugiert, das Sediment auf einen Objektträger gegeben und unter 400-facher Vergrößerung ausgezählt. Die Anzahl wird als „pro Gesichtsfeld“ (HPF) oder als „semiquantitativ“ (z. B. +, ++, +++) angegeben.
Häufig gestellte Fragen
Was bedeuten Plattenepithelien im Urin?
Plattenepithelien sind abgeschilferte Zellen der Schleimhäute. Im Urin sind sie meist ein Zeichen für eine unreine Probenentnahme (Kontamination). Bei gleichzeitigen Symptomen wie Brennen können sie auf eine Harnwegsinfektion oder Scheidenentzündung hinweisen.
Sind Plattenepithelien im Urin gefährlich?
In der Regel nicht. Leicht erhöhte Werte sind meist harmlos. Nur wenn sehr viele Zellen auftreten oder weitere Auffälligkeiten (Leukozyten, Bakterien, Blut) vorhanden sind, sollte eine Behandlung der Grunderkrankung erfolgen.
Wie wird die Anzahl der Plattenepithelien gemessen?
Die Messung erfolgt im Urinsediment unter dem Mikroskop. Der Urin wird zentrifugiert, das Sediment auf einen Objektträger gegeben und unter 400-facher Vergrößerung ausgezählt. Die Anzahl wird als „pro Gesichtsfeld“ (HPF) oder als „semiquantitativ“ (z. B. +, ++, +++) angegeben.
Über Plattenepithelien (Squamousepithelien) im Urin
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