Was ist die Harnsäure im 24-Stunden-Sammelurin?
Als Internist in der Charité Berlin begegne ich täglich Fragen zum Harnsäurestoffwechsel. Die Messung der Harnsäure im 24-Stunden-Sammelurin – auch 24h-Urin-Harnsäure genannt – gibt Aufschluss darüber, wie viel Harnsäure Ihr Körper über die Nieren ausscheidet. Anders als der Blutwert zeigt dieser Test die tatsächliche Ausscheidungsmenge pro Tag.
Die Untersuchung wird meist bei Verdacht auf Hyperurikämie (erhöhte Harnsäure im Blut), Gicht oder Nierensteinen angeordnet. Der Referenzstandard nach LOINC lautet 3081-8.
Warum wird dieser Test durchgeführt?
In meiner Praxis sehe ich häufig Patienten mit wiederkehrenden Gichtanfällen oder unklaren Nierenkoliken. Der 24-Stunden-Urin hilft, die Ursache zu differenzieren:
- Überproduktion von Harnsäure (z. B. bei Enzymdefekten oder Tumorlyse-Syndrom)
- Unterausscheidung durch die Nieren (häufigste Ursache bei Gicht)
- Risikoabschätzung für Harnsäuresteine in den Nieren
Wie wird der Test durchgeführt – Schritt für Schritt
Der Sammelurin über 24 Stunden erfordert Disziplin, ist aber unkompliziert:
- Morgens nach dem ersten Toilettengang die Uhrzeit notieren – den ersten Urin verwerfen.
- Ab dann jede Urinportion in einem Behälter sammeln (kühl und dunkel lagern).
- Am nächsten Morgen zur gleichen Uhrzeit nach dem ersten Wasserlassen die Sammlung beenden.
- Den Behälter gut durchmischen und eine Probe ins Labor bringen.
Wichtig: Keine körperliche Anstrengung am Sammeltag, keine purinreichen Mahlzeiten (z. B. Innereien, Sardinen).
Normalwerte der Harnsäure im 24h-Urin
Die Referenzbereiche variieren je nach Labor. Typische Werte sind:
| Gruppe | mg/24h | mmol/24h |
|---|---|---|
| Erwachsene Männer | 250 – 750 | 1,5 – 4,5 |
| Erwachsene Frauen | 200 – 600 | 1,2 – 3,6 |
| Kinder & Jugendliche | 10 – 20 mg/kg KG/24h | 0,06 – 0,12 mmol/kg/24h |
Ernährungsgewohnheiten und Medikamente (z. B. Diuretika, Allopurinol) beeinflussen die Werte deutlich.
Was bedeuten erhöhte Werte?
Liegt die Harnsäure-Ausscheidung über 800 mg/24h (4,8 mmol/24h), spricht man von einer Überproduktion. Mögliche Ursachen:
- Angeborene Störungen (z. B. Lesch-Nyhan-Syndrom)
- Myeloproliferative Erkrankungen (z. B. Leukämie)
- Chemotherapie (Tumorlyse-Syndrom)
- Purinreiche Ernährung (Fleisch, Alkohol)
Bei Werten unter 200 mg/24h liegt eine verringerte Ausscheidung vor – oft bei Niereninsuffizienz oder als Nebenwirkung von Thiaziddiuretika.
Wichtige Begriffe und Abkürzungen
Im Befund tauchen oft folgende Parameter auf:
- UA (Uric Acid)
- Englische Abkürzung für Harnsäure.
- Kreatinin im 24h-Urin
- Wird zur Beurteilung der Sammelvollständigkeit mitbestimmt (Referenz: 15–25 mg/kg KG/24h).
- Harnsäure-Clearance
- Berechnung aus Serum- und Urinwert – wichtig für die Nierendiagnostik.
Häufige Fragen zur Harnsäure im 24h-Urin
Beeinflusst die Ernährung den Test?
Ja, stark. Alkohol, Fleisch, Meeresfrüchte und Fruktose erhöhen die Harnsäure. Idealerweise halten Sie 3 Tage vor und während des Sammeltags eine purinarme Kost ein.
Kann ich den Test auch bei akutem Gichtanfall durchführen?
Ja, der 24h-Urin ist unabhängig vom Anfall. Allerdings kann der Wert durch die Entzündung leicht verändert sein. In meiner Praxis warte ich meist 2 Wochen nach Abklingen des Anfalls ab.
Was tun bei erhöhten Werten?
Zuallererst: Lebensstil anpassen (mehr trinken, wenig Purine). Medikamentös kommen Allopurinol oder Febuxostat (hemmen die Harnsäurebildung) infrage. Bei Überproduktion wird oft Rasburicase eingesetzt – besonders in der Onkologie.
Wie oft muss der Test wiederholt werden?
Bei Therapiekontrolle reichen 3–6 Monate Abstand. Bei Nierenstein-Rezidiven kann eine jährliche Kontrolle sinnvoll sein.
Fazit aus meiner Sprechstunde
Der 24-Stunden-Sammelurin auf Harnsäure ist ein wertvolles Instrument, um die Stoffwechsellage exakt zu erfassen. Er ergänzt den Blutwert und hilft, maßgeschneiderte Therapien zu entwickeln. Vertrauen Sie auf die Empfehlungen Ihres Nephrologen oder Rheumatologen – und bringen Sie am besten den vollständigen Sammelbehälter pünktlich ins Labor.
Häufig gestellte Fragen
Was sagt der 24-Stunden-Urin-Harnsäure-Test aus?
Der Test misst die Gesamtmenge an Harnsäure, die Sie innerhalb von 24 Stunden über den Urin ausscheiden. Er hilft zu unterscheiden, ob eine erhöhte Harnsäure im Blut durch Überproduktion oder verminderte renale Ausscheidung entsteht – entscheidend für die Wahl der richtigen Therapie bei Gicht oder Nierensteinen.
Wie bereite ich mich auf den 24-Stunden-Sammelurin vor?
Vermeiden Sie 3 Tage vor und während der Sammlung purinreiche Lebensmittel (Innereien, Sardinen, Alkohol) und übermäßige körperliche Anstrengung. Trinken Sie normal viel (ca. 2 Liter pro Tag). Notieren Sie genau die Start- und Endzeit. Der erste Urin am Morgen wird verworfen, danach sammeln Sie jede Portion.
Was tun bei hohen Harnsäurewerten im 24h-Urin?
Erhöhte Werte (> 750 mg/24h) deuten auf eine Überproduktion hin. In meiner Praxis empfehle ich zunächst eine purinarme Diät, ausreichend Flüssigkeit und Alkoholverzicht. Bei anhaltend hohen Werten kommen Medikamente wie Allopurinol oder Febuxostat infrage. Bei nephrologischen Grunderkrankungen ist die Ursache gezielt abzuklären.
Über Harnsäure im 24-Stunden-Sammelurin (LOINC 3081-8)
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