Was sind Deamidierte Gliadin-Peptid-Antikörper (DGP IgA/IgG)?
In meiner internistischen Praxis begegne ich täglich Patienten mit unklaren Bauchbeschwerden, Müdigkeit oder einem hartnäckigen Eisenmangel. Oft steckt eine Glutenunverträglichkeit dahinter – die Zöliakie. Eines der zuverlässigsten Laborverfahren, um diese Diagnose zu stellen, ist die Bestimmung der Deamidierten Gliadin-Peptid-Antikörper, kurz DGP IgA und DGP IgG.
Dabei handelt es sich um Antikörper, die Ihr Immunsystem gegen deamidierte – also chemisch veränderte – Gliadinfragmente bildet. Diese Fragmente entstehen, wenn Gluten im Darm von einem Enzym (Transglutaminase) umgebaut wird. Der Test ist besonders wertvoll, weil er bei Kindern und Erwachsenen, auch bei IgA-Mangel, sehr zuverlässig eine Zöliakie aufdecken kann.
Wann wird der DGP-Test angeordnet?
Der DGP-Test wird hauptsächlich bei Verdacht auf Zöliakie eingesetzt. Typische Symptome meiner Patienten sind:
- Chronische Durchfälle oder Verstopfung
- Blähungen und Völlegefühl
- Unklare Müdigkeit, Antriebslosigkeit
- Eisenmangelanämie trotz oraler Eisengabe
- Wachstumsstörungen bei Kindern
- Hautausschlag (Dermatitis herpetiformis)
Der Test wird oft zusammen mit Gewebstransglutaminase-Antikörpern (tTG) und Endomysium-Antikörpern (EMA) durchgeführt. Bei Kindern unter zwei Jahren ist DGP sogar oft sensitiver als tTG.
DGP IgA vs. DGP IgG – Was ist der Unterschied?
Der Körper stellt zwei Klassen von Antikörpern her: IgA und IgG. Der DGP-IgA-Test wird zuerst bevorzugt, da er bei der klassischen Zöliakie am stärksten ansteigt. Allerdings leidet etwa 1 von 300–500 Menschen unter einem selektiven IgA-Mangel – bei diesen Personen ist der IgA-Test falsch negativ. Deshalb wird meist auch das DGP-IgG gemessen, das bei IgA-Mangel den Nachweis übernimmt.
In meiner Praxis bestelle ich standardmäßig beide Parameter (DGP IgA und IgG) gleichzeitig. So entgeht mir keine Zöliakie, selbst wenn die IgA-Produktion eingeschränkt ist.
Referenzbereiche – Tabelle nach Alter und Geschlecht
| Patientengruppe | DGP IgA (U/ml) | DGP IgG (U/ml) |
|---|---|---|
| Kleinkinder (0–2 Jahre) | < 10 | < 10 |
| Kinder (3–17 Jahre) | < 15 | < 15 |
| Erwachsene (≥18 Jahre) | < 20 | < 20 |
| Schwangere | < 20 | < 20 |
Hinweis: Die Grenzwerte können je nach Labor leicht abweichen. Ein Wert über dem Referenzbereich gilt als positiv und sollte durch eine Dünndarmbiopsie bestätigt werden.
Was bedeuten erhöhte DGP-Werte?
Ein erhöhter DGP-IgA- und/oder DGP-IgG-Spiegel deutet mit hoher Wahrscheinlichkeit auf eine aktive Zöliakie hin. Allerdings gibt es auch seltene falsch-positive Ergebnisse, z. B. bei:
- Morbus Crohn
- Rheumatoider Arthritis
- Leberzirrhose
Deshalb bestätige ich erhöhte Antikörper immer durch eine Dünndarmbiopsie. Nur der histologische Nachweis der Zottenatrophie gilt als Goldstandard.
DGP-Test unter glutenfreier Ernährung – ist das sinnvoll?
Nein. Wenn ein Patient bereits glutenfrei isst, sinken die DGP-Antikörper schnell ab – innerhalb von Wochen bis Monaten. Der Test wird dann falsch negativ. Ich empfehle meinen Patienten, vor der Blutabnahme mindestens 6–8 Wochen lang normal Gluten zu essen (z. B. 2 Scheiben Brot pro Tag). Nur so erhalte ich ein aussagekräftiges Ergebnis.
DGP-Test bei Kindern – besonders zuverlässig
Bei Säuglingen und Kleinkindern unter zwei Jahren ist der DGP-Test dem klassischen tTG-Test oft überlegen. Die Darmflora und das Immunsystem sind noch unreif, sodass die Antikörperantwort anders ausfällt. In meiner pädiatrischen Sprechstunde setze ich daher bei sehr jungen Kindern den DGP-Test als ersten Screening-Parameter ein.
Wie zuverlässig ist der DGP-Test?
Studien zeigen eine Sensitivität von 85–95 % und eine Spezifität von über 95 % für die Zöliakie-Diagnostik. Die Kombination aus DGP IgA und IgG erhöht die Treffsicherheit nochmals. Dennoch: Kein Labortest ist perfekt. Bei weiterhin bestehendem Verdacht trotz negativer Antikörper empfehle ich eine genetische Testung auf HLA-DQ2/DQ8 – und ggf. eine Biopsie.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist der DGP-Test?
Der DGP-Test misst Antikörper gegen deamidierte Gliadin-Peptide. Er wird zur Diagnose der Zöliakie eingesetzt und kann sowohl IgA- als auch IgG-Antikörper nachweisen.
Wie lange dauert es, bis der DGP-Wert nach glutenfreier Ernährung sinkt?
Bei den meisten Patienten normalisieren sich die DGP-Antikörper innerhalb von 3–6 Monaten nach Beginn einer streng glutenfreien Diät. Eine Kontrolle nach 6 Monaten ist daher sinnvoll.
Kann der DGP-Test falsch positiv sein?
Ja, selten – z. B. bei anderen Autoimmunerkrankungen (M. Crohn, rheumatoide Arthritis) oder bei Lebererkrankungen. Ein positives Ergebnis sollte immer durch eine Biopsie bestätigt werden.
Ist der DGP-Test für die Kontrolle einer glutenfreien Diät geeignet?
Ja, der DGP-Wert normalisiert sich nach erfolgreicher Diät. Allerdings reagiert der Test empfindlicher auf kleine Glutenmengen als der tTG-Test. Deshalb eignet er sich auch zur Überwachung der Diättreue.
Häufig gestellte Fragen
Was ist der DGP-Test?
Der DGP-Test (Deamidierte-Gliadin-Peptid-Antikörper) ist ein Bluttest, der bestimmte Antikörper gegen Gluten-Abbauprodukte nachweist. Er wird hauptsächlich zur Diagnose der Zöliakie eingesetzt und kann sowohl IgA- als auch IgG-Antikörper messen.
Wie lange dauert es, bis der DGP-Wert nach glutenfreier Ernährung sinkt?
In der Regel normalisieren sich die DGP-Antikörper innerhalb von 3 bis 6 Monaten nach Beginn einer konsequent glutenfreien Diät. Bei Ihrem Kontrolltermin nach einem halben Jahr sollte der Wert bereits deutlich gefallen oder negativ sein.
Kann der DGP-Test falsch positiv sein?
Ja, in seltenen Fällen können auch andere Erkrankungen wie Morbus Crohn, rheumatoide Arthritis oder eine Leberzirrhose zu erhöhten DGP-Werten führen. Deshalb bestätigen wir einen positiven Test immer durch eine Dünndarmbiopsie.
Über Deamidierte-Gliadin-Peptid-Antikörper (DGP IgA/IgG)
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