Was ist Antithrombin III (AT III)?
In meiner klinischen Praxis begegnet mir Antithrombin III häufig als stiller Wächter der Blutgerinnung. Dieser Eiweißkörper wird in der Leber gebildet und hemmt die Aktivität von Thrombin – dem zentralen Enzym der Gerinnungskaskade. Ohne ausreichend AT III droht eine überschießende Gerinnung mit erhöhter Thromboseneigung.
Warum wird Antithrombin III gemessen?
Die Bestimmung von AT III wird vor allem bei unklaren Thrombosen, Lungenembolien oder rezidivierenden Fehlgeburten angefordert. Auch vor größeren Operationen oder unter Heparintherapie kann der Wert Aufschluss geben. Ein Mangel kann angeboren oder erworben sein – beides erhöht das Risiko für venöse Thromboembolien deutlich.
Normwerte für Antithrombin III (Tabelle)
Die Referenzbereiche werden meist in Prozent der normalen Aktivität oder als Konzentration angegeben. Die folgenden Werte stammen aus aktuellen Leitlinien – Abweichungen je nach Labor sind möglich.
| Altersgruppe | Normwert (Aktivität) | Normwert (Konzentration) |
|---|---|---|
| Erwachsene | 80–120 % | 200–300 mg/l |
| Kinder (≥1 Jahr) | 80–130 % | 200–320 mg/l |
| Neugeborene | 40–90 % | 100–220 mg/l |
| Schwangere (2. und 3. Trimenon) | 70–110 % | 170–280 mg/l |
Hinweis: Die LOINC-Nummer für Antithrombin III im Blut lautet 26733-6. Ihr Befund sollte immer vom behandelnden Arzt im klinischen Kontext interpretiert werden.
Antithrombin III zu niedrig – Ursachen und Risiken
Ein verminderter AT-III-Spiegel tritt in meiner Praxis am häufigsten bei Leberzirrhose, schweren Verbrennungen oder einer disseminierten intravasalen Gerinnung (DIC) auf. Auch eine langfristige Einnahme der „Pille“ oder eine Heparintherapie können die Werte senken. Angeborene Mängel sind seltener, aber folgenschwer – sie erhöhen das Thromboserisiko um ein Vielfaches.
Antithrombin III zu hoch – ist das gefährlich?
Erhöhte Werte sind seltener und meist harmlos. Sie kommen bei Leberentzündungen (Hepatitis), nach Nierentransplantation oder unter bestimmten Medikamenten wie Glukokortikoiden vor. Gelegentlich zeigen auch Patienten mit Cholestase erhöhte AT-III-Spiegel. Eine isolierte Erhöhung ohne klinische Symptome erfordert keine Therapie.
Symptome bei Antithrombin-III-Mangel
Viele Betroffene bemerken den Mangel erst, wenn eine Thrombose auftritt – oft in ungewöhnlichen Gefäßen wie der Pfortader oder den Hirnvenen. Wiederholte Fehlgeburten oder ein schlechter Anstieg des Quick-Werts unter Marcumar können ebenfalls Hinweise sein. Die AT-III-Bestimmung gehört daher zur erweiterten Thrombophilie-Abklärung.
Wann sollte ich Antithrombin III testen lassen?
- Nach einer tiefen Beinvenenthrombose oder Lungenembolie ohne erkennbare Ursache
- Bei familiärer Thromboseneigung
- Vor geplanter Schwangerschaft bei bekannter Gerinnungsstörung
- Unter Therapie mit Heparin – zur Dosisfindung
- Bei unklaren Fehlgeburten im zweiten oder dritten Trimenon
Wie wird Antithrombin III behandelt?
Bei akuter Thrombose und nachgewiesenem AT-III-Mangel kann konzentriertes Antithrombin III infundiert werden. Im Alltag reicht oft eine vorbeugende Antikoagulation mit Vitamin-K-Antagonisten oder direkten oralen Antikoagulanzien (DOAKs). Wichtig ist die Vermeidung weiterer Risikofaktoren wie Rauchen oder lange Immobilität.
Fazit aus der Praxis
Antithrombin III ist ein stiller, aber unverzichtbarer Schutzfaktor unserer Blutgerinnung. Wer einen Mangel hat, kann sich gut behandeln lassen – wenn er entdeckt wird. Lassen Sie sich bei unklaren thrombotischen Ereignissen unbedingt darauf testen.
Häufig gestellte Fragen
Was ist Antithrombin III (AT III) genau?
Antithrombin III ist ein Eiweiß, das in der Leber gebildet wird und die Blutgerinnung bremst, indem es Thrombin inaktiviert. Ein Mangel erhöht das Thromboserisiko.
Welche Normwerte gelten für Antithrombin III?
Bei Erwachsenen liegt der Normbereich meist zwischen 80 und 120 % Aktivität. Neugeborene haben niedrigere Werte (40–90 %). Ihr Labor gibt den genauen Referenzbereich auf dem Befund an.
Was passiert, wenn Antithrombin III zu niedrig ist?
Ein niedriger AT-III-Spiegel begünstigt Blutgerinnsel in Venen und Arterien – vor allem bei zusätzlichen Risiken wie Operationen, Schwangerschaft oder Immobilität. Die Behandlung erfolgt mit Gerinnungshemmern und gegebenenfalls AT-III-Konzentrat.
Über Antithrombin III (AT III)
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