Was ist der Anti-Gewebstransglutaminase IgA (Anti-tTG) Test?
Stellen Sie sich eine junge Patientin vor, die zu mir in die Sprechstunde kommt – seit Jahren müde, leidet unter Blähungen, Durchfällen und unklaren Bauchschmerzen. Kein Arzt fand bisher die Ursache. In meiner Praxis ordne ich dann oft den Anti-Gewebstransglutaminase IgA (kurz Anti-tTG IgA) an – den wichtigsten Labortest zur Diagnose einer Zöliakie.
Die Gewebstransglutaminase (tTG) ist ein Enzym, das in verschiedenen Körpergeweben vorkommt. Bei einer Zöliakie bildet das Immunsystem Antikörper gegen dieses Enzym – insbesondere vom Typ IgA. Der Test misst genau diese Antikörper im Blut. Ein erhöhter Wert weist stark auf eine Glutenunverträglichkeit (Zöliakie) hin. Der offizielle LOINC-Code für diesen Parameter lautet übrigens 18393-5.
Wann wird der Anti-tTG IgA bestimmt?
Typische Symptome, die mich veranlassen, den Test anzuordnen
- Chronische Durchfälle, Verstopfung oder Blähungen
- Unklare Oberbauchbeschwerden, Übelkeit
- Müdigkeit, Eisenmangelanämie ohne ersichtlichen Grund
- Wachstumsstörungen bei Kindern, verzögerte Pubertät
- Hautausschlag (Dermatitis herpetiformis Duhring)
- Ungewollter Gewichtsverlust
Besonders oft sehe ich Patienten, die bereits eine Eisenmangelanämie haben – der Anti-tTG IgA ist dann ein wichtiger Mosaikstein, um eine Zöliakie als Ursache auszuschließen.
Der Referenzbereich: Was bedeuten die Werte?
Die meisten Labore geben einen Normalbereich von <10 U/ml an. Werte darüber gelten als grenzwertig oder positiv – je nach Labor und verwendeter Methode. In der folgenden Tabelle finden Sie typische Referenzbereiche, aufgeschlüsselt nach Alter und Geschlecht.
| Altersgruppe / Geschlecht | Anti-tTG IgA Normalbereich (U/ml) | Interpretation |
|---|---|---|
| Kinder (1–18 Jahre) | < 10 U/ml | Negativ (kein Hinweis auf Zöliakie) |
| Erwachsene (alle Geschlechter) | < 10 U/ml | Negativ |
| Ältere Erwachsene (>65 Jahre) | < 12 U/ml | Leichter altersbedingter Anstieg möglich |
| Schwangere | < 10 U/ml | Wie bei Nichtschwangeren |
Wichtig zu wissen: Die Werte dienen als Orientierung. Jedes Labor hat seine eigenen Referenzwerte – immer auf dem Befundblatt nachschauen. Ein positiver Anti-tTG IgA sollte immer durch eine Dünndarmbiopsie bestätigt werden.
Hohe Anti-tTG IgA Werte – was nun?
Mögliche Ursachen für erhöhte Antikörper
In meiner Praxis frage ich meine Patienten oft: „Haben Sie in letzter Zeit glutenhaltige Lebensmittel gegessen?“ Denn der Test ist nur bei glutenhaltiger Kost aussagekräftig. Mögliche Ursachen für erhöhte Werte sind:
- Zöliakie – mit Abstand die häufigste Ursache
- Dermatitis herpetiformis Duhring – die Hautmanifestation der Zöliakie
- Seltene Autoimmunerkrankungen (z. B. primäre Gallenzirrhose, rheumatische Erkrankungen) – dann aber meist nur leicht erhöht
- Falsch-positive Ergebnisse bei IgA-Mangel (dann lieber Anti-tTG IgG bestimmen)
Ist ein erhöhter Anti-tTG IgA gefährlich?
Der erhöhte Wert selbst ist nicht gefährlich, aber die zugrunde liegende Zöliakie kann auf Dauer ernste Folgen haben: Nährstoffmangel (v. a. Eisen, Vitamin B12, Folsäure, Calcium), Osteoporose, Unfruchtbarkeit, erhöhtes Risiko für Dünndarmlymphome. Deshalb rate ich dringend: Bei positivem Test zur weiteren Abklärung an einen Gastroenterologen überweisen.
Der Test in der Schwangerschaft und bei Kindern
Schwangerschaft
Bei unklarer Müdigkeit, Übelkeit oder Eisenmangel in der Schwangerschaft kann der Test sinnvoll sein. Die Schwangerschaft verändert die Anti-tTG IgA Werte in der Regel nicht. Ein positiver Befund erfordert auch hier die glutenfreie Diät – das ist für Mutter und Kind unbedenklich.
Kinder
Bei Kindern mit Wachstumsverzögerung, chronischen Bauchschmerzen oder Verhaltensauffälligkeiten ist der Anti-tTG IgA der erste Schritt zur Diagnose. Wichtig: Vor dem Test muss das Kind glutenhaltige Nahrung zu sich nehmen (mindestens 3–4 Wochen mehrere Portionen pro Tag).
Unterschied zwischen Anti-tTG IgA und anderen Zöliakie-Markern
- Anti-tTG IgA – Goldstandard, hohe Sensitivität und Spezifität (ca. 95 %)
- Endomysium-Antikörper (EmA-IgA) – sehr spezifisch, teurer
- Deamidierte Gliadin-Peptide (DGP-IgA/IgG) – Alternative bei IgA-Mangel
- Gesamt-IgA – wird oft parallel gemessen, um einen IgA-Mangel auszuschließen
Wie bereite ich mich auf die Blutabnahme vor?
Keine spezielle Vorbereitung nötig. Wichtig: Essen Sie in den Wochen vor dem Test normal glutenhaltige Kost. Meine Patienten frage ich immer: „Haben Sie Brot, Nudeln, Kuchen gegessen?“ Denn bei glutenfreier Ernährung sinken die Antikörper – der Test wird dann falsch negativ.
Was kostet der Anti-tTG IgA Test?
In Deutschland wird der Test von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen, wenn ein begründeter Verdacht auf Zöliakie besteht (Symptome, Familienanamnese). Privatversicherte zahlen je nach Labor ca. 30–50 Euro. Ich empfehle: Lassen Sie sich vorab von Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt beraten.
Häufig gestellte Fragen
Was bedeutet ein erhöhter Anti-tTG IgA Wert?
Ein erhöhter Anti-Gewebstransglutaminase IgA (Anti-tTG) Wert deutet mit hoher Wahrscheinlichkeit auf eine Zöliakie (Glutenunverträglichkeit) hin. Der Test ist sehr empfindlich – ein positiver Wert sollte jedoch immer durch eine Dünndarmbiopsie bestätigt werden. Manchmal kann auch eine Dermatitis herpetiformis oder eine andere Autoimmunerkrankung die Ursache sein. In meiner Praxis leite ich bei positiven Befunden umgehend eine Überweisung zum Gastroenterologen ein.
Kann man Zöliakie nur mit dem Anti-tTG IgA Test diagnostizieren?
Nein, der Anti-tTG IgA ist der wichtigste Screeningtest, reicht aber allein nicht für die endgültige Diagnose. Nach einem positiven Bluttest wird in der Regel eine Dünndarmbiopsie durchgeführt – dabei entnimmt der Arzt kleine Gewebeproben aus der Dünndarmschleimhaut und untersucht sie auf typische Veränderungen (Zottenatrophie). Nur die Kombination aus positiven Antikörpern und Biopsie erlaubt eine sichere Zöliakie-Diagnose. Ausnahmen sind Kinder mit sehr hohen Werten (mehr als das 10-fache der Norm), bei denen die Biopsie unter bestimmten Umständen verzichtet werden kann.
Was tun bei positivem Anti-tTG IgA?
Wenn Ihr Anti-tTG IgA erhöht ist, vereinbaren Sie zeitnah einen Termin bei einem Gastroenterologen. Bis zur weiteren Abklärung sollten Sie auf keinen Fall glutenfrei essen – sonst wird die Biopsie ungenau. Der Facharzt wird eine Dünndarmbiopsie empfehlen und Sie beraten, wie Sie eine glutenfreie Diät beginnen können. Ich rate meinen Patienten, schon jetzt ein Ernährungstagebuch zu führen und sich über glutenfreie Lebensmittel zu informieren. Nach der Diagnose ist die lebenslange glutenfreie Ernährung die einzig wirksame Therapie.
Über Anti-Gewebstransglutaminase (Anti-tTG) IgA
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Wissenschaftliche Quellen & Referenzen
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