Als Internist in der Charité Berlin beobachte ich immer wieder, dass Patienten überrascht sind, wenn bei einer Routineblutuntersuchung ein Syphilis-Screening durchgeführt wird. Der VDRL/RPR-Test ist ein wichtiger Suchtest, der oft im Rahmen von Schwangerschaftsvorsorge, vor Blutspenden oder bei unklaren Haut- und Schleimhautveränderungen eingesetzt wird. Lassen Sie mich Ihnen diesen Test aus meiner täglichen Praxis heraus erklären.
Was ist der VDRL/RPR-Test?
VDRL (Venereal Disease Research Laboratory) und RPR (Rapid Plasma Reagin) sind nicht-treponemale Suchtests, die auf Antikörper gegen Lipoidantigene reagieren, die bei einer Syphilis-Infektion (Lues) freigesetzt werden. Beide Methoden messen sogenannte Reagin-Antikörper, die bereits 4–6 Wochen nach der Ansteckung nachweisbar sind. Der Test dient primär dem Screening und der Verlaufskontrolle – eine Bestätigung erfolgt stets durch treponemale Tests wie den TPHA (Treponema pallidum-Hämagglutinationstest) oder die FTA-ABS-Immunfluoreszenz
LOINC-Standard und Abkürzungen
In der internationalen Laborkommunikation wird der VDRL-Test unter dem LOINC-Code 20505-7 („VDRL in Serum“) und der RPR-Test unter 20511-5 („RPR in Serum“) geführt. In deutschen Befunden begegnen Ihnen oft Synonyme wie „Lues-Suchtest“ oder „Syphilis-Screening“. Die Bezeichnung „VDRL/RPR“ wird häufig zusammen verwendet, da beide Verfahren ähnliche Antikörper nachweisen.
Wann wird der Test durchgeführt?
Indikationen in meiner Praxis
- Schwangerschaftsvorsorge: Gemäß den Mutterschaftsrichtlinien wird ein Syphilis-Screening in der Frühschwangerschaft empfohlen.
- Hautveränderungen: Bei unklaren Hautausschlägen, Geschwüren oder Lymphknotenschwellungen im Genitalbereich.
- Risikokontakte: Nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr mit wechselnden Partnern oder bei bekannten Geschlechtskrankheiten.
- Blutspende: Vor jeder Blutspende testen wir routinemäßig auf Syphilis.
- Verlaufskontrolle: Nach einer Behandlung wird der Test genutzt, um den Rückgang der Antikörper zu überwachen.
Wie läuft der Test ab?
Für den VDRL/RPR-Test wird venöses Blut (ca. 5 ml) aus einer Armvene entnommen. Das Serum wird im Labor mit einem Lipoid-Antigen gemischt. Bei Vorhandensein von Reagin-Antikörpern kommt es zu einer sichtbaren Flockung (Agglutination). Das Ergebnis wird als Titer (z. B. 1:8, 1:16) angegeben – je höher die Verdünnungsstufe, desto mehr Antikörper sind vorhanden.
Referenzwerte und Interpretation
Der Normalwert für den VDRL/RPR-Test ist negativ (keine Reaktion). Ein positiver Test (Titer ≥1:1) ist verdächtig auf eine Syphilis-Infektion und erfordert immer einen Bestätigungstest. Bitte beachten Sie, dass falsch-positive Reaktionen möglich sind – z. B. bei Autoimmunerkrankungen, während der Schwangerschaft oder nach Impfungen.
| Altersgruppe / Population | Normalwert |
|---|---|
| Kinder und Erwachsene (ohne Infektion) | negativ (keine Reaktion) |
| Schwangere | negativ (ggf. falsch-positiv) |
| Patienten nach erfolgreicher Syphilis-Behandlung | negativ oder niedriger Titer (z. B. 1:2) |
Was bedeutet ein positives Testergebnis?
Ein positiver VDRL/RPR-Test ist keine definitive Diagnose. In meiner Praxis bestelle ich sofort einen TPHA-Test zur Bestätigung. Ist auch dieser positiv, liegt fast immer eine aktive oder durchgemachte Syphilis vor. Dann folgt meist eine Liquoruntersuchung (Lumbalpunktion), um eine Beteiligung des Nervensystems (Neurosyphilis) auszuschließen.
Behandlung der Syphilis
Syphilis ist mit Penicillin (z. B. Benzathin-Penicillin G) sehr gut heilbar. Die Therapie erfolgt stadienabhängig: Bei Frühsyphilis reicht oft eine einmalige Injektion, bei späteren Stadien sind mehrwöchige Behandlungen nötig. Nach der Behandlung sinkt der VDRL/RPR-Titer in der Regel innerhalb von 12–24 Monaten ab. Ein ausbleibender Abfall kann auf Therapieversagen oder Reinfektion hinweisen.
Häufige Fragen (FAQ)
Kann der VDRL/RPR-Test falsch positiv sein?
Ja, das kommt vor. Mögliche Ursachen sind: Schwangerschaft, Lupus erythematodes, andere Autoimmunerkrankungen, Malaria, Lepra, Hepatitis, Drogenabhängigkeit oder kürzliche Impfungen. Ein positiver Test muss daher immer mit einem treponemalen Test (TPHA, FTA-ABS) überprüft werden.
Wann sollte man den Test wiederholen?
Bei Risikokontakten empfiehlt die Deutsche STI-Gesellschaft eine Nachuntersuchung nach 6 Wochen und 12 Wochen. Falls der Test negativ bleibt, ist eine Infektion sehr unwahrscheinlich. Nach einer Therapie kontrollieren wir den Titer nach 6, 12 und 24 Monaten.
Muss ich den Test nüchtern durchführen?
Nein, für den VDRL/RPR-Test ist keine Nüchternheit erforderlich. Sie können vor der Blutabnahme normal essen und trinken. Bitte informieren Sie Ihren Arzt aber über alle Medikamente und Impfungen der letzten Wochen, da diese das Ergebnis beeinflussen können.
Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Fragen zu Ihren persönlichen Testergebnissen wenden Sie sich bitte an Ihren Hausarzt oder einen Facharzt für Infektiologie.
Häufig gestellte Fragen
Was bedeutet ein positiver VDRL/RPR-Test?
Ein positiver Test weist auf Antikörper hin, die im Rahmen einer Syphilis-Infektion entstehen können. Er ist jedoch kein Beweis – es kann auch falsch-positive Ergebnisse geben (z. B. in der Schwangerschaft oder bei Autoimmunerkrankungen). Deshalb führen wir sofort einen Bestätigungstest (TPHA) durch. Ist auch dieser positiv, liegt mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Syphilis vor, die behandlungsbedürftig ist.
Kann der Test falsch positiv sein?
Ja, das ist möglich. Zu den häufigsten Ursachen gehören Schwangerschaft, systemischer Lupus erythematodes, andere Autoimmunerkrankungen, Malaria, Hepatitis, Drogenkonsum und kürzliche Impfungen. Ein positiver VDRL/RPR-Test sollte daher immer mit einem treponemalen Test (TPHA oder FTA-ABS) abgeklärt werden.
Wann sollte man einen VDRL/RPR-Test machen lassen?
Der Test wird routinemäßig in der Schwangerschaft, vor Blutspenden, bei unklaren Haut-/Schleimhautveränderungen im Genitalbereich sowie nach Risikokontakten (z. B. ungeschützter Geschlechtsverkehr mit mehreren Partnern) durchgeführt. Auch bei Symptomen wie Geschwüren oder Lymphknotenschwellungen sollten Sie Ihren Arzt ansprechen.
Über VDRL / RPR-Test (Syphilis-Screening)
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Wissenschaftliche Quellen & Referenzen
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