Eine 54-jährige Patientin kommt zu mir in die Sprechstunde – sie hat seit Wochen ein unbestimmtes Druckgefühl im Unterleib, der Ultraschall zeigt eine zystische Raumforderung am rechten Eierstock. „Ist das bösartig, Herr Doktor?“ – eine Frage, die mir fast täglich begegnet. Hier hilft der ROMA-Index, ein biochemischer Algorithmus, der die Tumormarker CA-125 und HE4 kombiniert und den Menopausenstatus berücksichtigt. In meiner klinischen Praxis nutze ich ihn, um Patientinnen mit Adnexbefund besser zu stratifizieren und unnötige operative Eingriffe zu vermeiden.
Was ist der ROMA-Index?
ROMA steht für „Risk of Ovarian Malignancy Algorithm“ – zu Deutsch: Algorithmus zum Risiko einer bösartigen Eierstockerkrankung. Entwickelt wurde er, um die Vortestwahrscheinlichkeit eines Ovarialkarzinoms bei Frauen mit einer nachgewiesenen Beckenraumforderung zu berechnen.
Der Index setzt sich aus zwei Laborparametern zusammen:
- CA-125 (Cancer Antigen 125) – klassischer Tumormarker, aber unspezifisch, da er auch bei Endometriose, Zysten oder Myomen erhöht sein kann.
- HE4 (Human Epididymis Protein 4) – deutlich spezifischer für seröse Ovarialkarzinome und weniger von benignen gynäkologischen Erkrankungen beeinflusst.
Die Berechnung erfolgt getrennt für prä- und postmenopausale Frauen. Ein Wert über dem jeweiligen Cut-off deutet auf ein erhöhtes Risiko für ein malignes Ovarialkarzinom hin.
Referenzwerte – Was ist normal?
Die Interpretation des ROMA-Index hängt entscheidend vom Menopausenstatus ab. Als Faustregel für den klinischen Alltag gebe ich meinen Patientinnen folgende Orientierung:
| Menopausenstatus | Niedriges Risiko | Hohes Risiko |
|---|---|---|
| Prämenopausal | < 11,4 % | ≥ 11,4 % |
| Postmenopausal | < 29,9 % | ≥ 29,9 % |
Die Prozentangaben entsprechen der berechneten Risikowahrscheinlichkeit – je höher der Wert, desto wahrscheinlicher ein Ovarialkarzinom.
Warum unterscheiden sich die Cut-offs?
Postmenopausal ist HE4 physiologisch höher, CA-125 hingegen steigt bei benignen Zysten in der Prämenopause häufiger an. Der Algorithmus korrigiert dies, um falsch-positive Ergebnisse zu reduzieren.
Wann wird der ROMA-Index bestimmt?
Der Test kommt vor allem bei unklaren Adnexbefunden zum Einsatz – also wenn eine Zyste oder Raumforderung am Eierstock entdeckt wurde. Ich empfehle ihn nicht als Screening für asymptomatische Frauen, da die Prävalenz des Ovarialkarzinoms zu niedrig ist.
Typische Indikationen:
- Zysten > 5 cm, komplexe oder septierte Zysten
- Erhöhtes CA-125 ohne eindeutige Ursache
- Verdacht auf Ovarialkarzinom vor geplanter Operation
- Verlaufskontrolle nach Ovarialkarzinom-Therapie (dann eher als Trend)
Grenzen und Fallstricke – Was der ROMA-Index nicht kann
Kein Test ist perfekt. In meiner Praxis erlebe ich immer wieder, dass der ROMA-Index auch falsch-positive Ergebnisse liefert – etwa bei:
- Endometriose oder Dermoidzysten
- Uterusmyomen
- Schwangerschaft (selten, da dann selten getestet)
- Niereninsuffizienz (HE4 wird renal eliminiert)
Ein negativer ROMA-Index schließt ein Ovarialkarzinom nicht vollständig aus. Die Bildgebung (TV-Sonographie) und die klinische Beurteilung bleiben unverzichtbar.
Der ROMA-Index in der Schwangerschaft
In der Schwangerschaft sind Ovarialtumoren selten, aber möglich. CA-125 kann physiologisch im ersten Trimenon ansteigen, HE4 bleibt stabiler. Meine Empfehlung: Bei Schwangeren mit Adnexbefund den ROMA-Index vorsichtig interpretieren und immer mit einem Gynäkologen absprechen.
Häufig gestellte Fragen
Hier beantworte ich die Fragen, die mir Patientinnen am häufigsten stellen:
Ist ein hoher ROMA-Index immer Krebs?
Nein, ein hoher Wert bedeutet lediglich ein erhöhtes Risiko – es kann sich auch um eine gutartige Veränderung handeln. Die endgültige Diagnose stellt die histologische Aufarbeitung des Operationspräparats.
Kann ich den ROMA-Index selbst zahlen?
Ja, als IGel-Leistung (Individuelle Gesundheitsleistung) wird er in vielen Praxen angeboten. Die Kosten liegen je nach Labor zwischen 30 und 60 Euro. Vorherige Aufklärung über Nutzen und Grenzen ist wichtig.
Wie genau ist der ROMA-Index im Vergleich zu CA-125 allein?
Studien zeigen eine Sensitivität von etwa 90 % bei einer Spezifität von 75 % – besser als CA-125 allein (ca. 70 % Sensitivität). Besonders bei postmenopausalen Frauen steigert der ROMA-Index die Treffsicherheit.
Häufig gestellte Fragen
Was bedeutet ein erhöhter ROMA-Index?
Ein erhöhter ROMA-Index (über 11,4 % prämenopausal oder über 29,9 % postmenopausal) zeigt ein statistisch erhöhtes Risiko für ein Ovarialkarzinom an. Das heißt nicht zwingend, dass Krebs vorliegt – gutartige Zysten, Endometriose oder Myome können ebenfalls erhöhte Werte verursachen. Die definitive Abklärung erfolgt durch Bildgebung und gegebenenfalls operative Gewebeentnahme.
Wann sollte der ROMA-Index wiederholt werden?
Eine Wiederholung ist sinnvoll, wenn der erste Wert grenzwertig ist (z. B. 10–13 % bei prämenopausalen Frauen) oder wenn sich die klinische Situation ändert – etwa Größenzunahme einer Zyste. Bei klar erhöhtem Risiko wird meist direkt eine operative Abklärung empfohlen. Bei Verlaufskontrollen nach Therapie eines Ovarialkarzinoms wird der ROMA-Index eher nicht verwendet, hier bevorzugt man CA-125 als Trendmarker.
Kann der ROMA-Index auch bei Männern bestimmt werden?
Nein, der ROMA-Index wurde speziell für Frauen mit intakten Ovarien entwickelt und ist für Männer nicht validiert. Männer haben andere Risikofaktoren für Malignome im Beckenbereich (z. B. Prostatakarzinom), die mit anderen Markern abgeklärt werden.
Über ROMA-Index (Risk of Ovarian Malignancy Algorithm)
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