Was ist Prolaktin (PRL)?
In meiner täglichen Praxis in der Charité begegnet mir der Prolaktin-Wert häufig bei Patienten mit unerfülltem Kinderwunsch, Zyklusstörungen oder Libidoverlust. Prolaktin (auch laktotropes Hormon genannt) wird im Hypophysenvorderlappen gebildet und steuert vor allem die Milchproduktion in der Brustdrüse. Doch seine Wirkung reicht weit über die Stillzeit hinaus: Es beeinflusst den Menstruationszyklus, die Spermienqualität und sogar das Immunsystem. Der LOINC-Code für diesen Test lautet 2839-6.
Normwerte: Prolaktin-Tabelle nach Alter und Geschlecht
Die Referenzbereiche variieren je nach Labor und Methode. Folgende Werte geben eine klinische Orientierung (gemessen im Serum, nüchtern, morgens):
| Gruppe | Referenzbereich (µg/L) |
|---|---|
| Erwachsene Männer | 2,1 – 17,7 |
| Erwachsene Frauen (nicht schwanger) | 2,8 – 29,2 |
| Schwangerschaft (3. Trimenon) | bis 473 |
| Stillende Frauen | bis etwa 200 (abhängig von Stillintervall) |
| Kinder (beide Geschlechter) | 2,0 – 25,0 |
*Hinweis: Die Einheiten können auch in mU/l angegeben werden. 1 µg/L entspricht ca. 21,2 mU/l.
Wann wird Prolaktin gemessen?
Meine Patienten kommen meist mit folgenden Beschwerden zur Blutabnahme:
- Ausbleibende oder unregelmäßige Menstruation (Amenorrhoe, Oligomenorrhoe)
- Galaktorrhoe – Milchfluss außerhalb der Stillzeit
- Kopfschmerzen oder Sehstörungen (Verdacht auf Hypophysentumor)
- Libidoverlust oder Erektionsstörungen beim Mann
- Unfruchtbarkeit bei beiden Geschlechtern
Prolaktin erhöht – was steckt dahinter?
Physiologische Ursachen
Schon harmlose Faktoren können den Wert kurzzeitig in die Höhe treiben: Schlafmangel, Stress, körperliche Anstrengung (z. B. Joggen) oder eine kürzliche Mahlzeit. Auch Sex und Bruststimulation (z. B. enges BH) sind mögliche Auslöser. Deshalb lasse ich immer morgens zwischen 8 und 10 Uhr nüchtern abnehmen – nach 20 Minuten Ruhe.
Medikamentös bedingte Hyperprolaktinämie
In meiner Sprechstunde ist die häufigste Ursache eine Nebenwirkung von Antidepressiva (SSRI, MAO-Hemmer), Neuroleptika (Haloperidol, Risperidon) oder Metoclopramid (gegen Übelkeit). Auch Östrogene (Pille, Hormonpflaster) können den Prolaktinspiegel leicht anheben.
Krankhafte Ursachen: Prolaktinom und mehr
Ein gutartiger Tumor der Hypophyse – das Prolaktinom – ist die klassische pathologische Ursache. Meist sind die Werte dann massiv erhöht (>200 µg/L). Weitere seltene Erkrankungen: Schilddrüsenunterfunktion (via TRH-Stimulation), Niereninsuffizienz, Leberzirrhose oder Polyzystisches Ovar-Syndrom (PCOS).
Prolaktin niedrig – kommt das vor?
Ein erniedrigter Wert ist seltener und klinisch oft weniger relevant. Ursachen können eine Hypophysenvorderlappeninsuffizienz (Sheehan-Syndrom nach Geburt) oder die Einnahme von Dopamin-Agonisten (z. B. Bromocriptin, Cabergolin) sein. Bei stillenden Müttern mit Milchmangel sollte man an einen zu niedrigen Prolaktinspiegel denken.
Prolaktin in der Schwangerschaft
Während der Schwangerschaft steigt der Prolaktinspiegel kontinuierlich an – bis auf das 10- bis 20-Fache des Normalbereichs. Das ist physiologisch und bereitet die Brust auf die Milchproduktion vor. Nach der Geburt sinkt der Wert, sofern nicht gestillt wird.
Weitere diagnostische Schritte bei auffälligen Werten
Liegt der Prolaktin-Wert über den Referenzgrenzen, wiederhole ich die Messung einmalig. Bleibt der Wert erhöht, folgen:
- Bildgebung der Hypophyse (MRT mit Kontrastmittel)
- Schilddrüsendiagnostik (TSH, fT4)
- Schwangerschaftstest bei Frauen im gebärfähigen Alter
- Medikamenten- und Stress-Anamnese
Behandlungsmöglichkeiten bei erhöhtem Prolaktin
Die Therapie richtet sich nach der Ursache. Medikamentös setze ich meist Cabergolin (Dostinex) ein – es senkt den Prolaktinspiegel zuverlässig und ist gut verträglich. Bei Prolaktinomen genügt in der Regel die medikamentöse Therapie; eine Operation ist nur bei sehr großen Tumoren oder fehlendem Ansprechen nötig. Falls ein Medikament der Auslöser ist, kann nach Rücksprache mit dem verschreibenden Arzt auf eine Alternative umgestellt werden.
Fazit aus der Praxis
Prolaktin ist ein „Stimmungshormon“ mit vielen Gesichtern. Einmalig erhöhte Werte sind oft harmlos – erst die Kombination aus Symptomen und persistierend hohen Werten wird relevant. Meine wichtigste Empfehlung: Lassen Sie sich nicht von einmaligen Zahlen verunsichern, sondern besprechen Sie das Ergebnis mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin.
Häufig gestellte Fragen
Was bedeutet ein erhöhter Prolaktin-Wert im Blut?
Ein erhöhter Prolaktinspiegel kann viele Ursachen haben – von harmlosem Stress über Medikamente bis hin zu einem gutartigen Hypophysentumor (Prolaktinom). Tritt der erhöhte Wert zusammen mit Symptomen wie ausbleibender Periode, Milchfluss aus der Brust oder Kopfschmerzen auf, ist eine ärztliche Abklärung nötig.
Kann Prolaktin durch die Pille steigen?
Ja, östrogenhaltige Kontrazeptiva können den Prolaktinspiegel leicht anheben. Meist bleiben die Werte aber im Normbereich oder geringfügig erhöht. Ein starker Anstieg (>100 µg/L) ist untypisch für die Pille und sollte weiter untersucht werden.
Wie schnell sinkt Prolaktin nach der Geburt?
Ohne Stillen fällt der Prolaktinwert innerhalb von ein bis zwei Wochen auf das Niveau vor der Schwangerschaft zurück. Bei stillenden Müttern bleibt er erhöht, solange gestillt wird – mit einem Abfall nach jedem Stillvorgang.
Über Prolaktin (PRL)
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Wissenschaftliche Quellen & Referenzen
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