Eine 58-jährige Patientin kam neulich in meine Sprechstunde – seit Monaten müde, gelegentlich Knochenschmerzen und zwei Nierensteine in den letzten fünf Jahren. Ihr Calcium war erhöht, und ich vermutete sofort eine Störung der Nebenschilddrüsen. Der Bluttest bestätigte es: Parathormon (PTH) war deutlich zu hoch. Solche Fälle sehe ich häufig. Lassen Sie mich Ihnen das Wichtigste zu diesem oft übersehenen Hormon erklären.
Was ist Parathormon (PTH)?
Parathormon wird in den vier Nebenschilddrüsen produziert, die hinter der Schilddrüse liegen. Seine Hauptaufgabe ist die Regulation des Calcium- und Phosphatstoffwechsels. Es erhöht den Calciumspiegel im Blut, indem es Calcium aus den Knochen freisetzt, die Rückresorption in der Niere steigert und die Bildung von aktivem Vitamin D fördert. Ein Ungleichgewicht hat weitreichende Folgen.
Wann wird PTH gemessen?
Typische Indikationen sind:
- Erhöhtes oder erniedrigtes Serumcalcium
- Verdacht auf primären oder sekundären Hyperparathyreoidismus
- Nierensteine, Knochenschmerzen oder Osteoporose
- Nach Schilddrüsenoperationen (Nebenschilddrüsenverletzung)
- Chronische Nierenerkrankung
Normwerte – Referenztabelle für Parathormon (PTH)
Die Referenzbereiche können je nach Labor variieren. Nachfolgend typische Werte basierend auf der Immulite-Methode (LOINC-Code: 2731-8):
| Altersgruppe | Geschlecht | Normbereich (pg/ml) |
|---|---|---|
| Neugeborene (0–1 Monat) | m/w | 10–60 |
| Säuglinge (1–12 Monate) | m/w | 10–55 |
| Kinder (1–18 Jahre) | m/w | 10–65 |
| Erwachsene (19–70 Jahre) | m/w | 10–65 |
| Erwachsene (über 70 Jahre) | m/w | 15–75 |
| Schwangere (alle Trimester) | w | 10–50 |
Hinweis: Einige Labore geben auch Werte in pmol/l an (1 pg/ml ≈ 0,106 pmol/l).
Erhöhtes Parathormon – Ursachen und Symptome
Primärer Hyperparathyreoidismus
Hier liegt die Störung in der Nebenschilddrüse selbst – meist ein gutartiges Adenom. Der PTH-Wert steigt, obwohl der Calciumspiegel bereits erhöht ist. Symptome: Müdigkeit, Depression, Nierensteine, Knochenschmerzen, Magenbeschwerden. In meiner Praxis entdecke ich viele Fälle zufällig bei Routine-Blutuntersuchungen.
Sekundärer Hyperparathyreoidismus
Der Körper produziert vermehrt PTH, um einen Calciummangel auszugleichen. Häufigste Ursachen: Vitamin-D-Mangel, Niereninsuffizienz, Malabsorption. Die Therapie richtet sich gegen die Grunderkrankung.
Erniedrigtes Parathormon – was bedeutet das?
Ein zu niedriger PTH-Wert (< 10 pg/ml) führt zu Hypokalzämie (Calciummangel). Ursachen: Autoimmunzerstörung der Nebenschilddrüsen, postoperative Schädigung, Magnesiummangel oder seltene genetische Störungen. Betroffene leiden unter Kribbeln in Fingern und Füßen, Muskelkrämpfen, Tetanic und Herzrhythmusstörungen. Die Behandlung erfolgt mit Calcium und Vitamin D.
Parathormon in der Schwangerschaft
Der PTH-Wert fällt im ersten Trimester leicht ab und steigt im dritten Trimester wieder an. Der Körper stellt den Calciumbedarf des Fötus sicher. Bei Schwangeren mit Präeklampsie oder Nierenerkrankungen sollte PTH überwacht werden.
Wie bereite ich mich auf den PTH-Test vor?
Der Test wird morgens nüchtern durchgeführt, da PTH zirkadianen Schwankungen unterliegt. Vermeiden Sie orale Calciumpräparate am Testtag. Alkohol und Rauchen beeinflussen den Wert – bitte 24 Stunden verzichten.
Behandlungsmöglichkeiten bei Störungen des PTH
Bei primärem Hyperparathyreoidismus ist die operative Entfernung des Adenoms die Therapie der Wahl. Bei sekundärem Formen stehen Vitamin-D-Gabe, Phosphatbinder (bei Niereninsuffizienz) und Calcimimetika zur Verfügung. Ein erniedrigtes PTH erfordert lebenslange Substitution mit Calcium und aktivem Vitamin D. In meiner Praxis rate ich immer zu einer Ernährung reich an calciumhaltigen Lebensmitteln (Milch, Brokkoli, Mandeln) und ausreichend Sonnenlicht für die Vitamin-D-Synthese.
Fazit: Parathormon ist ein fein reguliertes Hormon. Ein auffälliger Wert ist kein Grund zur Panik, aber sollte immer abgeklärt werden – am besten in Kombination mit Calcium, Phosphat, Vitamin D und Nierenwerten. Bei Fragen stehe ich Ihnen gerne zur Seite.
Häufig gestellte Fragen
Was bedeutet ein erhöhter PTH-Wert?
Ein erhöhter Parathormon-Wert weist meist auf einen Hyperparathyreoidismus hin. Dabei unterscheiden wir den primären (Adenom der Nebenschilddrüse) vom sekundären (Vitamin-D-Mangel, Nierenerkrankung). Begleitend sollte immer das Calcium gemessen werden. Machen Sie sich keine Sorgen – viele Fälle sind gut behandelbar.
Kann ich den PTH-Wert durch Ernährung beeinflussen?
Direkt beeinflusst die Ernährung den PTH-Wert nicht, aber indirekt über den Vitamin-D- und Calciumspiegel. Eine ausreichende Calcium- und Vitamin-D-Zufuhr (z.B. durch Milchprodukte, grünes Gemüse und täglichen Sonnenkontakt) kann einen sekundären Anstieg verhindern. Bei primärem Hyperparathyreoidismus ist eine Operation meist nötig.
Wie oft sollte der PTH-Wert kontrolliert werden?
Das hängt von der Grunderkrankung ab. Nach einer Nebenschilddrüsen-OP wird der PTH-Wert zunächst nach 1–2 Wochen, dann nach 3 und 6 Monaten kontrolliert. Bei chronischer Niereninsuffizienz oder Vitamin-D-Mangel reichen meist jährliche Kontrollen. Ihr behandelnder Arzt legt das individuelle Intervall fest.
Über Parathormon (PTH)
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