Was ist LDH (Laktatdehydrogenase)?
LDH – die Laktatdehydrogenase – ist ein Enzym, das in nahezu allen Körperzellen vorkommt. Es spielt eine Schlüsselrolle im Energiestoffwechsel, indem es die Umwandlung von Laktat zu Pyruvat und umgekehrt katalysiert. In meiner klinischen Praxis sehe ich LDH vor allem als empfindlichen Marker für Zellschäden: Wenn Zellen verletzt oder zerstört werden, gelangt das Enzym ins Blut und lässt den Wert ansteigen.
Wie wird LDH gemessen?
LDH wird aus einer venösen Blutprobe bestimmt. Meist erfolgt die Messung im Rahmen eines umfassenden Laborscreenings (z. B. bei Leber-, Herz- oder Muskelerkrankungen). Die Einheit ist U/l (Einheiten pro Liter). Der Test ist schnell, standardisiert und kostengünstig.
Referenzbereiche für LDH (Laktatdehydrogenase)
Die Normwerte können je nach Labor und Messmethode leicht variieren. Eine typische Referenztabelle zeigt die alters- und geschlechtsspezifischen Bereiche:
| Patientengruppe | LDH-Normwert (U/l) |
|---|---|
| Erwachsene (männlich) | 135 – 225 |
| Erwachsene (weiblich) | 135 – 214 |
| Kinder (1–12 Jahre) | 150 – 300 |
| Säuglinge (0–1 Jahr) | 200 – 450 |
| Schwangere | 135 – 250 (physiologisch leicht erhöht) |
Wann wird LDH untersucht?
LDH wird oft bei unklaren Symptomen wie Müdigkeit, Gelbsucht, Muskelschmerzen oder Atemnot bestimmt. Auch zur Verlaufskontrolle von Tumorerkrankungen, Herzinfarkt oder Leberentzündung ist der Wert hilfreich. Ich untersuche LDH häufig, wenn ich eine Hämolyse (Zerfall roter Blutkörperchen) vermute.
Erhöhte LDH – was bedeutet das?
Ein erhöhter LDH-Wert deutet immer auf eine aktuelle oder abgelaufene Zellschädigung hin. Die Ursachen sind vielfältig. Wichtig: LDH allein ist kein spezifischer Marker – die genaue Bedeutung erschließt sich nur im Kontext anderer Werte und der Klinik.
LDH und Krebserkrankungen
Viele solide Tumoren (z. B. Lungen-, Magen- oder Leberkrebs) sowie Leukämien und Lymphome führen zu erhöhten LDH-Werten. Mein Patienten erzähle ich, dass LDH als Prognoseparameter dient: Ein sehr hoher Wert kann auf eine hohe Tumorlast oder ein rasches Tumorwachstum hinweisen. Nach einer Chemotherapie fällt LDH oft ab.
LDH und Herzinfarkt
Nach einem Herzinfarkt steigt LDH typischerweise nach 12–24 Stunden an und bleibt 5–10 Tage erhöht. Heute werden zur Herzinfarktdiagnostik jedoch sensitive Marker wie Troponin bevorzugt; LDH dient eher als ergänzender Parameter.
LDH und Lebererkrankungen
Bei Hepatitis (Leberentzündung), Leberzirrhose oder einer Fettleber ist LDH oft mäßig erhöht. In Kombination mit GOT, GPT und GGT hilft es, das Ausmaß der Leberschädigung einzuschätzen. Ich sehe bei einer akuten viralen Hepatitis gelegentlich sehr hohe LDH-Werte.
LDH und Muskelerkrankungen
Muskelverletzungen, intensive körperliche Anstrengung oder entzündliche Muskelerkrankungen (wie Polymyositis) können LDH erhöhen. Auch nach einem Krampfanfall oder bei einer Rhabdomyolyse (Muskelzerfall) steigt LDH deutlich an.
LDH während der Schwangerschaft
In der Schwangerschaft kann LDH physiologisch leicht ansteigen (vor allem im dritten Trimester). Eine starke Erhöhung sollte jedoch immer abgeklärt werden – mögliche Ursachen sind eine Präeklampsie, HELLP-Syndrom oder Lebererkrankungen. Ich empfehle Schwangeren, auffällige LDH-Werte zeitnah mit ihrem Gynäkologen zu besprechen.
LDH normalisieren – geht das?
Da LDH nur ein Indikator ist, richtet sich die Behandlung nach der zugrunde liegenden Erkrankung. Bei einer Leberschädigung steht die Schonung der Leber (Alkoholverzicht, gesunde Ernährung) im Vordergrund. Bei Hämolyse oder Tumorerkrankungen muss die Ursache behandelt werden. In meiner Sprechstunde betone ich: „Nicht den LDH-Wert senken, sondern die kranken Zellen heilen!“
LDH-Werte interpretieren: Ein Fall aus der Praxis
Ein 55-jähriger Patient klagte über Müdigkeit und Druckgefühl im rechten Oberbauch. Die Leberwerte waren erhöht, LDH lag bei 380 U/l. Nach einer Sonografie zeigte sich eine Leberzirrhose. Mit konsequenter Therapie (Alkoholkarenz, Diät) normalisierte sich LDH langsam. Solche Verläufe bestätigen mir, wie wichtig LDH als Verlaufsparameter ist.
Fazit
LDH ist ein robustes, aber unspezifisches Enzym. Ein erhöhter Wert ist ein Warnsignal, das eine sorgfältige Abklärung erfordert. Besonders in Kombination mit anderen Laborwerten und klinischen Befunden hilft LDH, Zellschäden frühzeitig zu erkennen. Vertrauen Sie auf die Interpretation durch Ihren Arzt – Eigeninterpretationen führen oft in die Irre.
Häufig gestellte Fragen
Was bedeutet ein erhöhter LDH-Wert?
Ein erhöhter LDH-Wert zeigt an, dass in Ihrem Körper vermehrt Zellen geschädigt oder zerstört werden. Mögliche Ursachen reichen von harmlosen Muskelkater bis zu ernsteren Erkrankungen wie Leberentzündung, Herzinfarkt oder Tumoren. Der Wert allein sagt jedoch nicht, welches Organ betroffen ist – Ihr Arzt wird ihn mit anderen Befunden abgleichen.
Welche Erkrankungen führen zu erhöhter LDH?
Die häufigsten Ursachen sind: Lebererkrankungen (Hepatitis, Zirrhose), Herzinfarkt, Lungenembolie, Nierenschäden, Hämolyse (Blutarmut durch Blutzerfall), Muskelverletzungen (z. B. nach Unfall oder starkem Training), sowie Krebserkrankungen (insbesondere Leukämien, Lymphome, fortgeschrittene solide Tumoren). Auch Infektionen oder eine Schilddrüsenunterfunktion können LDH erhöhen.
Kann ich meinen LDH-Wert senken?
Direkt beeinflussen können Sie LDH nicht, da es nur die Zellgesundheit widerspiegelt. Eine Senkung gelingt nur, indem Sie die Grunderkrankung behandeln: etwa bei Leberschäden durch Alkoholverzicht, bei Hämolyse durch Behandlung der Bluterkrankung. Regelmäßige Bewegung, ausreichend Schlaf und eine ausgewogene Ernährung unterstützen die Zellregeneration – sprechen Sie aber immer mit Ihrem Arzt über die erforderliche Therapie.
Über Laktatdehydrogenase (LDH)
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Wissenschaftliche Quellen & Referenzen
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