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Amylase (AMS): Normwerte & Bedeutung

Amylase (AMS) – wichtiger Laborwert bei Bauchspeicheldrüsenerkrankungen. Erfahren Sie von einem Internisten: Normwerte, Ursachen & was erhöhte oder erniedrigte Werte bedeuten.

Uzm. Dr. Özlem Arslan4 Min. LesezeitExpertengeprüfter Inhalt
Amylase (AMS) testi - Kan tahlili ve laboratuvar analizi
Fotoğraf: Karolina Grabowska (Pexels)

Was ist die Amylase (AMS)?

Wenn Patienten mit plötzlichen, gürtelförmigen Oberbauchschmerzen zu mir in die Charité-Sprechstunde kommen, denke ich sofort an die Bauchspeicheldrüse. Dann ist die Amylase einer der ersten Werte, die ich bestimmen lasse. Die Amylase (AMS) – international auch nach LOINC-Code 1798-8 bekannt – ist ein Enzym, das vor allem in der Bauchspeicheldrüse und den Speicheldrüsen produziert wird.

Ihre Hauptaufgabe: die Verdauung von Stärke und Glykogen aus der Nahrung. Nur eine kleine Menge gelangt normalerweise ins Blut. Steigt der Wert jedoch stark an, deutet das meist auf eine Schädigung der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) oder der Speicheldrüsen hin.

Wann wird die Amylase im Blut bestimmt?

In meiner Praxis ordne ich die Messung der Amylase vor allem bei folgenden Beschwerden an:

  • Starke Oberbauchschmerzen, oft ausstrahlend in den Rücken
  • Übelkeit und Erbrechen unklarer Ursache
  • Verdacht auf eine akute Pankreatitis (Bauchspeicheldrüsenentzündung)
  • Kontrolle des Verlaufs bei bekannten Pankreaserkrankungen
  • Abklärung von Speicheldrüsenerkrankungen (z. B. Mumps, Sialolithiasis)

Normwerte der Amylase (Tabelle)

Die Referenzbereiche können je nach Labor leicht variieren. Die folgenden Werte dienen als Orientierung für Erwachsene und Kinder – entnommen aus den aktuellen Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Klinische Chemie.

GruppeAmylase (U/L)
Erwachsene (Männer & Frauen)28 – 100 U/L
Kinder (1–18 Jahre)20 – 110 U/L
Säuglinge (< 1 Jahr)5 – 65 U/L
Schwangere (3. Trimenon)bis 120 U/L (leicht erhöht)

* Die Einheit U/L steht für Units pro Liter. Bei älteren Menschen können die Werte physiologisch etwas ansteigen.

Was bedeuten erhöhte Amylase-Werte?

Eine Erhöhung der Amylase um mehr als das Dreifache des oberen Normwerts ist ein klassisches Zeichen für eine akute Pankreatitis. Oft bin ich überrascht, wie viele Patienten mit Gallensteinen jahrelang keine Beschwerden haben – bis ein Stein den Ausführungsgang der Bauchspeicheldrüse blockiert. Weitere Ursachen für erhöhte Werte:

  • Pankreatitis (akute oder chronische)
  • Mumps oder andere Speicheldrüsenentzündungen
  • Magen-Darm-Erkrankungen wie Ulkusperforation oder Darmverschluss
  • Niereninsuffizienz (verminderte Ausscheidung)
  • Medikamente (z. B. Diuretika, Opiate)

Sind hohe Amylasewerte gefährlich?

Ja, ein massiv erhöhter Wert kann auf eine lebensbedrohliche Pankreatitis hinweisen. In meiner Klinik habe ich erlebt, dass Patienten mit Werten über 1000 U/L sofort intensivmedizinisch betreut werden mussten. Wichtig: Die Höhe der Amylase korreliert nicht immer mit der Schwere der Erkrankung. Deshalb achte ich immer auch auf die Lipase – sie ist spezifischer für die Bauchspeicheldrüse.

Was bedeuten niedrige Amylase-Werte?

Ein erniedrigter Amylasewert (< 20 U/L) kommt seltener vor. Ursachen können sein:

  • Fortgeschrittene chronische Pankreatitis mit Zerstörung des Drüsengewebes
  • Mukoviszidose (zystische Fibrose)
  • Lebererkrankungen (z. B. Zirrhose)
  • Nach Pankreasresektion (Teilentfernung)

Bei meinen Patienten mit Mukoviszidose sehe ich oft sehr niedrige Werte – dann steht die zusätzliche Gabe von Verdauungsenzymen im Vordergrund.

Amylase während der Schwangerschaft

Im dritten Trimenon kann die Amylase physiologisch bis etwa 120 U/L ansteigen – das liegt an der erhöhten Nierendurchblutung und der Plazentaproduktion. Ein leichter Anstieg ist in der Regel harmlos. Sollte die Amylase jedoch über 150 U/L liegen, muss ich an eine Schwangerschafts-Pankreatitis denken – ein seltenes, aber ernstes Krankheitsbild.

Amylase bei Kindern

Bei Kleinkindern sind die Normwerte niedriger, da die Bauchspeicheldrüse noch nicht vollständig ausgereift ist. Erhöhte Werte bei Kindern können durch Mumps (Speicheldrüsenentzündung) oder auch ein Bauchtrauma (z. B. Fahrradlenkerunfall) verursacht werden. In meiner pädiatrischen Sprechstunde frage ich dann immer gezielt nach Schwellungen im Kieferbereich.

Amylase falsch niedrig oder hoch? – Einflussfaktoren

Die Genauigkeit des Tests kann durch bestimmte Umstände beeinträchtigt werden:

  • Falsch erhöht: nach Alkoholkonsum, Einnahme von best. Medikamenten (z. B. Aspirin, Kortison)
  • Falsch erniedrigt: bei sehr stark erhöhten Triglyceriden (Chylomikronämie)
  • Probenentnahme: Blutentnahme am besten nüchtern, sonst kann die Amylase durch Nahrungsaufnahme leicht ansteigen

Einmal hatte ich einen Patienten, dessen Amylase trotz klinisch klarer Pankreatitis nur mäßig erhöht war – Grund: Er trank viel Bier, was zu einer Hypertriglyzeridämie führte. Darum bestimme ich bei Pankreatitis immer auch die Lipase.

Wie wird die Amylase gemessen?

Die Bestimmung erfolgt aus einer venösen Blutprobe. In der Regel wird die Gesamtamylase gemessen. Bei Bedarf kann das Labor die Unterformen (Pankreas-Amylase und Speicheldrüsen-Amylase) differenzieren – das hilft, die genaue Quelle der Erhöhung zu lokalisieren.

Fazit aus Sicht des Internisten

Die Amylase ist ein schneller, preiswerter und sensitiver Marker für die Bauchspeicheldrüse. Doch als alleiniger Wert reicht sie nicht aus. In meiner täglichen Praxis verlasse ich mich auf die Kombination aus Amylase, Lipase, klinischem Bild und Bildgebung (z. B. Ultraschall). Wenn Sie plötzlich starke Oberbauchschmerzen haben, zögern Sie nicht, ärztliche Hilfe zu suchen – eine frühzeitige Behandlung der Pankreatitis kann Komplikationen verhindern.

Häufig gestellte Fragen

Was ist die Amylase und wofür wird sie im Blut gemessen?

Die Amylase ist ein Enzym der Bauchspeicheldrüse und Speicheldrüsen, das Stärke verdaut. Der Blutwert wird vor allem zur Diagnose einer akuten Pankreatitis (Bauchspeicheldrüsenentzündung) oder von Speicheldrüsenerkrankungen wie Mumps eingesetzt.

Welcher Amylasewert ist gefährlich?

Ein Anstieg auf mehr als das Dreifache des oberen Normwerts (über 300 U/L) gilt als klinisch bedeutsam und kann auf eine akute Pankreatitis hinweisen. Die Gefährlichkeit hängt jedoch nicht allein von der Höhe ab: Auch mäßig erhöhte Werte können bei einer schweren Gewebeschädigung auftreten.

Kann die Amylase auch ohne Bauchspeicheldrüsenentzündung erhöht sein?

Ja, das kommt vor. Häufige Ursachen sind Mumps, Nierenversagen, Gallensteine, Medikamente (z. B. Diuretika) oder sogar ein Magendurchbruch. Eine genaue Abklärung durch den Arzt ist immer erforderlich.

Referenzbereich

Über Amylase (AMS)

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Wissenschaftliche Quellen & Referenzen

Die Informationen in diesem Artikel werden durch folgende internationale medizinische Datenbanken und wissenschaftliche Quellen unterstützt:

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