Was ist die Aldolase (ALS)?
Die Aldolase (auch Fructose-1,6-bisphosphat-Aldolase, abgekürzt ALS) ist ein Enzym, das eine Schlüsselrolle im Zuckerstoffwechsel spielt. Sie katalysiert die Spaltung von Fructose-1,6-bisphosphat in zwei Triosephosphate – ein zentraler Schritt der Glykolyse. In meiner klinischen Praxis begegnen mir erhöhte Aldolase-Werte häufig bei Patienten mit Muskelschäden oder Lebererkrankungen. Der Test wird vor allem dann angeordnet, wenn der Verdacht auf eine Muskeldystrophie, eine Polymyositis oder eine schwere Leberzirrhose besteht.
Medizinische Einordnung – LOINC-Code
Zur eindeutigen dokumentation wird für die Aldolase der LOINC-Code 1797-1 („Aldolase [Enzymatic activity/volume] in Serum or Plasma“) verwendet. Dieser internationale Standard ermöglicht eine fehlerfreie Kommunikation zwischen Laboren und Kliniken.
Referenzbereiche der Aldolase (Normwerte)
Die Normalwerte variieren je nach Alter, Geschlecht und Labor. Folgende Tabelle gibt einen typischen Überblick (Einheit: U/l bei 37°C):
| Altersgruppe | Männlich (U/l) | Weiblich (U/l) |
|---|---|---|
| Kinder (1–12 J.) | 3,0 – 12,0 | 3,0 – 12,0 |
| Erwachsene (13–50 J.) | 1,0 – 8,0 | 1,0 – 7,5 |
| Ältere (> 50 J.) | 1,0 – 7,0 | 1,0 – 6,5 |
Hinweis: Diese Werte sind Orientierungshilfen. Ihr Befund sollte immer im Kontext Ihrer gesamten Krankengeschichte bewertet werden.
Wann wird die Aldolase bestimmt?
Meine Patienten überweisen ich zur Aldolase-Bestimmung meist bei:
- Muskelschwäche oder -schmerzen unklarer Ursache
- Verdacht auf Muskeldystrophie (z. B. Duchenne)
- Autoimmunerkrankungen wie Polymyositis oder Dermatomyositis
- Lebererkrankungen wie alkoholische Hepatitis oder Zirrhose
- Überwachung der Therapie von Muskelerkrankungen
Ursachen für erhöhte Aldolase-Werte
Ein erhöhter Aldolase-Spiegel deutet fast immer auf eine Zellschädigung hin – meist der Muskulatur oder der Leber. Die häufigsten Gründe in meiner Sprechstunde:
Muskelerkrankungen
- Muskeldystrophie: Genetisch bedingter Muskelschwund, besonders bei Jungen.
- Polymyositis / Dermatomyositis: Entzündliche Muskelrheuma-Erkrankungen.
- Trauma oder Operation: Große Muskelquetschungen oder OP-Eingriffe.
- Intensive körperliche Belastung: Extremes Training oder Krampfanfälle.
Lebererkrankungen
- Akute Hepatitis: Virus- oder medikamentenbedingte Leberentzündung.
- Leberzirrhose: Chronische Vernarbung der Leber.
- Metastasen der Leber: Tumorbefall.
Weitere Ursachen
- Herzinfarkt (selten, da CK sensibler ist)
- Nierenversagen mit Muskelabbau
- Medikamente wie Statine (gelegentlich)
Ursachen für erniedrigte Aldolase-Werte
Eine verminderte Aldolase ist klinisch selten relevant. Sie kann bei fortgeschrittener Leberzirrhose oder – extrem selten – bei einem angeborenen Aldolase-Mangel (hereditäre Fructoseintoleranz) auftreten. Letzteres führt zu schweren Stoffwechselkrisen nach Fructoseaufnahme.
Diagnostische Einordnung – Abgrenzung zu anderen Enzymen
Die Aldolase ist weniger spezifisch als die Kreatinkinase (CK) für Muskelschäden. Deshalb wird sie meist in Kombination mit CK, AST, ALT und LDH beurteilt. In meiner Praxis bestelle ich Aldolase vor allem dann, wenn die CK normal ist, aber dennoch der Verdacht auf eine Myopathie besteht – beispielsweise bei Polymyositis, wo die CK manchmal im Normbereich liegt, die Aldolase jedoch erhöht sein kann.
Aldolase während der Schwangerschaft
Während der Schwangerschaft steigt die Aldolase physiologisch leicht an – bedingt durch die verstärkte Stoffwechselaktivität und die Dehnung der Gebärmuttermuskulatur. Ein mäßiger Anstieg (bis ca. 12 U/l) ist normal. Meine Patientinnen frage ich dennoch immer, ob Begleitsymptome wie Muskelschwäche oder Übelkeit bestehen, um eine Leber- oder Muskelerkrankung auszuschließen.
Ist eine erhöhte Aldolase gefährlich?
Eine isolierte leichte Erhöhung ohne Symptome ist selten besorgniserregend. Entscheidend ist der Trend: Steigt der Wert kontinuierlich an und treten Muskelschwäche, Dunkelfärbung des Urins oder Gelbsucht auf, sollte dringend eine Abklärung erfolgen. In meiner Klinik leiten wir dann gezielte Untersuchungen ein – von der Elektromyographie bis zur Leberbiopsie.
So bereiten Sie sich auf den Aldolase-Test vor
Für die Blutentnahme müssen Sie nicht nüchtern sein, allerdings sollten Sie 24 Stunden vorher keine exzessiven Sporteinheiten absolvieren, da sonst die Aldolase durch Mikroverletzungen der Muskulatur vorübergehend ansteigen kann. Medikamente wie Statine oder Kortison bitte vorher mit dem Arzt besprechen – sie können den Wert beeinflussen.
Fazit aus der Praxis
Die Aldolase ist ein wertvoller, aber nicht alltäglicher Laborparameter. Sie hilft mir, Muskelerkrankungen aufzuspüren, die mit herkömmlichen Tests wie der CK allein nicht sicher erfasst werden. Wenn Sie Ihren Aldolase-Wert erhalten, lassen Sie ihn immer im Gesamtzusammenhang mit Ihren Beschwerden und anderen Laborwerten beurteilen. Ein isolierter Grenzwert ist selten ein Grund zur Sorge – bei Auffälligkeiten werden wir gemeinsam die Ursache finden.
Häufig gestellte Fragen
Was bedeutet ein erhöhter Aldolase-Wert im Blut?
Ein erhöhter Aldolase-Wert deutet meist auf eine Schädigung von Muskelzellen oder Leberzellen hin. Häufige Ursachen sind Muskeldystrophie, Polymyositis, akute Hepatitis oder ein schweres Trauma. Auch extreme körperliche Belastung kann den Wert vorübergehend ansteigen lassen. Eine genaue Abklärung gemeinsam mit anderen Enzymen (CK, AST, ALT) ist empfehlenswert.
Kann eine niedrige Aldolase gefährlich sein?
Eine erniedrigte Aldolase ist selten und meist nicht gefährlich. Sie kann bei fortgeschrittener Leberzirrhose oder – sehr selten – bei einem angeborenen Aldolase-Mangel (hereditäre Fructoseintoleranz) auftreten. Bei Verdacht auf eine solche Stoffwechselstörung sollte der Wert durch einen Facharzt abgeklärt werden.
Wann wird der Aldolase-Test verordnet?
Der Test wird vor allem bei unklaren Muskelschmerzen, Muskelschwäche oder Verdacht auf eine Muskelerkrankung (z. B. Duchenne-Muskeldystrophie, Polymyositis) durchgeführt. Auch bei Lebererkrankungen wie Hepatitis oder Zirrhose kann er unterstützend eingesetzt werden. In der Regel erfolgt die Bestimmung zusammen mit der Kreatinkinase (CK) und Leberwerten.
Über Aldolase (ALS)
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Wissenschaftliche Quellen & Referenzen
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